arepima | Astrid Reigber - Epithetik und Maskenbild

Geschichte Epithetik

Im Altertum fehlen, trotz verschiedener Hinweise auf die Existenz von
Gesichtsprothesen, wie z.B. Prothesen aus Wachs, Ton oder Holz bei den alten
Chinesen oder Augenklappen aus Leder, Seide oder Metall mit aufgemalten
Augen und Wimpern meist sichere Belege. Einzig literarisch nachweisen lassen
sich Nasenprothesen aus Lach in Indien. So sind die Anfänge der Gesichts-
prothetik in den Beginn der Neuzeit zu setzen.

Erstmals erschien eine nähere Beschreibung von Gesichtsprothesen in einem
medizinischen Werk des französischen Chirurgen A.Pare (1510-1590). Er entwarf
neben Prothesen für die Extremitäten und künstlichen Augen auch Epithesen, wie
z.B. künstliche Nasen aus emailliertem Silber oder Gold oder aus Pappmachee,
die mit Schnüren befestigt wurden, Vorlegeaugen, die er auf einen Lederbezug,
der von einem Stahlbügel am Kopf gehalten wurde, malen ließ und künstliche

Ohren aus Pappmachee, die mit einer Feder oder Bändern fixiert wurden. Weiter
zeitgenössische Ärzte erwähnen Gesichtsprothesen in ihren Lehrbüchern, wie z.B.
G.Mercurialis, G.T. Minadoi oder Falcinelli.

Nachdem im 17. und 18. Jahrhundert die Gesichtsprothetik wegen ihrer
schwachen ästhetischen Form weitgehend vernachlässigt wurde, übernahmen
Ende des 18. Jahrhunderts einige Zahnärzte die Herstellung der Epithesen, weil
dort Neuerungen aus der Zahntechnik übernommen werden konnten.
So stellte N. Dubois de Clemant Gesichtsprothesen aus einer Porzellanmasse her
und C.F. Delabarre fertigte 1820 die erste Epithese aus Kautschuk, den er
schichtweise auf ein Gipsmodell des Gesichtsersatzes auftrug und mit Leinen
verstärkte. Nach wie vor wurden die bemalten Prothesen mit Bändern oder
Federn am Kopf befestigt.

Als in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts die Anfertigung von Gesichtsprothesen
überwiegend in den Händen von Zahnärzten lag, wurden so die für Zahn-
prothesen gebräuchlichen Werkstoffe in die Epithetik übernommen. Erst gegen
1913 wurden Gelatineprothesen allgemein bekannt. Die Flexibilität, Transparenz
und das geringe Gewicht ermöglichten nun bessere kosmetische Resultate und
einen höheren Tragekomfort. Der große Nachteil war die kurze Verwendbarkeit
der Prothesen, die wegen Verdunstung ca. alle drei Tage erneuert werden
mussten. Während des 20. Jahrhunderts setzten sich mehr und mehr Kunststoffe
als Epithesenmaterial durch, die zusammen mit dem später eingeführten Silikon
alle bisherigen Materialien verdrängten.

 







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